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Übertraining oder Anti-Fitness-Hysterie? – (Watson Artikel Analyse)

Mrz 21, 2018

Geschrieben von Gregory Dzemaili

Ich glaube ehrlich gesagt fast gar nichts mehr was ich im Internet und auf den sozialen Medien lese.

Dies aus einem ganz einfachen Grund.

Die Informationsflut besteht grösstenteils aus einer Mischung aus Fake News, einer deftigen Portion Überschwänglichkeit und einem Quäntchen Wahrheit.

Auf Social Media herrscht eine Sensationsgeilheit, die besonders von der jüngeren Generation praktiziert wird.

Dies alles nur um aus der Instagram-Pampe von Wannabe-Influencern und Rich Kids herauszustechen mit dem fragwürdigen Ziel, mehr Likes und Follower zu generieren.

100% PRO SOCIAL MEDIA

Die Möglichkeiten von Social Media sind grandios, voller Chancen und einzigartig; versteh mich nicht falsch!

Mich fasziniert es, dass die Revolution auf den sozialen Medien TV und Radio überholt haben.

Diese digitale Ära ermöglicht es Unternehmern wie mir eine Stimme zu haben und nach nur 2 Jahren Unternehmensgeschichte auf der Grossleinwand an der alljährlichen Versammlung des Schweizerischen Fitnessverbands zu erscheinen.

Grosse Möglichkeiten bringen jedoch auch grosse Verantwortung.

HINTERFRAGE ALLES

Du verstehst nun also, dass ich dem Watson-Artikel über eine junge Dame, die gemäss eigenen Aussagen einen Herzstillstand aufgrund intensivem Trainings erlebt hat, sehr kritisch begegne.

Ist das übertraining verantwortlich?

Die Einnahme gefährlicher Substanzen/ Medikamente?

Müssen nicht eher psychologische Problemen aufgrund eines zerstörerischen Selbstbildes verantwortlich gemacht werden?

Kann es sein, dass ihr Verhalten das angesprochene “Haschen nach Sensation” widerspiegelt um ihren Followercount aus Vermarktungsgründen aufzubessern?

ÜBERTRAINING EXISTIERT

Übertraining existiert auf jeden Fall!

Dank meiner Erfahrung als Training, musste ich dies bereits mit einer Kundin erleben.

Ein typisches Verhalten für Übertraining sind:

– Lethargie

– fehlende Lust aufs Training

– komplette Überbordung der gesunden Ernährung

– Resignation gegenüber Bewegung und/ oder dem sozialen Umfeld

Diese Dinge können sogar passieren obwohl ich als Trainer meine Verantwortung wahrnehme und Betroffene darauf hinweise, dass sie es sachte angehen und nicht übertreiben sollten.

Drastische Folgen wie beispielsweise ein Herzstillstand mir bis anhin nicht bekannt.

KEINE BAGATELLE

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich die Gefahr eines Herzstillstands nicht belächeln, schlecht reden oder bagatellisieren möchte.

Gemäss Swissheart.ch ist ein Herzstillstand mit wichtigen Rehabilitationsmassnahmen verbunden.

Diese können 4-12 Wochen in Anspruch nehmen und beinhalten sogar ein Sicherheits-Notfallkonzept.

Die besagte Dame konnte sich bereits nach 3 Wochen wieder auf ihren Instagram konzentrieren, was möglicherweise einem sehr rapiden Heilungsprozess ohne Folgen oder Gefahren zu danken ist.

Möglicherweise..

WISSENSCHAFTLICHER BACKGROUND

Es gibt zwar Studien die belegen, dass “chronisches Training im Extrembereich” und “Teilnahmen an Ausdauer Events (wie z.B. Marathons)” Herzprobleme verursachen können; nicht jedoch Krafttraining an sich.

Die Betonung liegt klar auf Ausdauersportarten und “chronischem Training im Extrembereich”, was eher einem Marathonläufer auf Toplevel entspricht.

Das Training eines solchen Athleten (die oftmals Profis sind) ist gar kein Vergleich zum Fitness Sportler, der 20 Minuten auf dem Cross Trainer oder Laufband als cardiovaskuläres Training bezeichnet.

“Das Bild von Fitness, Bewegung und gesunder Ernährung wird seitens Medien und Berichterstattung kontinuierlich torpediert.”

FEEDBACK ZUM ARTIKEL

Bemerkenswerte Aussagen des Watson-Artikels möchte ich hier auf konstruktive Art und Weise beleuchten.

So präsentiert (sie) sich auf Instagram

Im Artikel wird der Instagram Account der betroffenen Fitness Sportlerin erwähnt.

Im Zuge einer Vermarktung macht dies zwar Sinn; im Rahmen einer Aufklärung nicht.

Um am Ende in der Kategorie “Women Bikini-Fitness” ein zweites Mal zu brillieren, nahm sie zusätzlich einen eisernen Sport- und Diätplan auf sich.

Ein “eiserner Sport und Diätplan” verstehe ich als Ernährungsplan mit einem intensiven Trainingsregime.

Daran sehe ich nichts verwerfliches.

Problematisch ist die Teilnahme am “Women’s Bikini Fitness Contest”, bei welchem die meisten Damen auf der Bühne medikamentöse Präparate zu sich nehmen.

Um mit der Competition mitzuhalten, wird damit auf unnatürliche Art und Weise den von Natur aus gegebenen, höheren Fettgehalt des weiblichen Körpers beeinflusst.

Sie behauptet zwar natural auf die Bühne gegangen zu sein; das fällt mir jedoch sehr schwer zu glauben.

Von den anfänglichen 3000 Kalorien ging es Schritt für Schritt bis zur Diätphase und den noch täglich erlaubten 1200 Kalorien.

Einer Frau 3’000 KCAL zu verschreiben und sie danach auf 1’200 KCAL runterzuschrauben ist fast schon fahrlässig.

Berechnet man die Formel der Kalorimetrie, würden 3’000 KCAL auf eine übergewichtige Frau mit ca. 130 kg passen.

Ergänzt wurde diese Prozedur mit einer Salzkur zur Entwässerung des Körpers

Wie viele Fitnesssportler wissen, bindet und speichert Salz das Wasser im subkutanen Bereich der Haut.

Aus diesem Grund ist eine “salzarme” Ernährung sinnvoll, wenn man einen trockenen Look behalten möchte.

Wurden hier die Fakten oder die Ernährungspläne vertauscht?

Eine natürliche Entwässerung findet zudem durch eine “Überflutung” des Körpers durch literweise Wasser (auf ca. 2-3 Tage) statt mit einem folgenden Wasserstopp.

“Du willst immer noch mehr und bist nie zufrieden, egal wie dünn du bist und egal wie definiert die Muskeln sind”

Hier sehe ich das grosse Problem dieser “Bikini” Meisterschaften, da diese ein unrealistisches Bild der Frau zeichnen.

Aufgrund der Natur des weiblichen Körpers, ist der trockene, bühnenreife Look fast unmöglich zu halten; selbst für einen Mann mit deutlich tieferem KFA.

Das kann zu Depressionen, schlechtem Selbstwertgefühl und einem verstörten Körperbild führen.

die Tatsache, dass man immer Jüngere (im Bodybuilding bzw. auf Bühnen)vorführen lässt, verfolge sie mit Sorgen: «Irgendwo hört es doch einfach auf

Vergleicht man diese Aussage mit ihren halbnackten Bildern auf ihrem Instagram, sticht einem sofort die Doppelmoral ins Auge.

Einer der Gründe, wieso die jüngere Generation Probleme mit dem Selbstbild hat, sind u.a. Instagram Accounts auf welchem sich junge Mädchen (und auch Jungs) als perfekte Models in wenig Kleidung präsentieren.

Ihr Insta-Fitnessmodel-Account ist hier (leider) keine Ausnahme und möglicherweise sogar Teil des Problems, welches ihr angeblich Sorge bereitet.

Weiterhin seien in ihrem Sportprogramm «High Intensity»-Übungen ein Tabu

Es gibt in diesem Sinne keine “High Intensity” Übungen.

HIIT (High Intensity Intervall Training) ist ein bewährtes Trainingssystem welches auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, den EPOC (Excessive Post Exercise Oxygen Consumption) oder “Afterburn” Effekt auslöst und damit eine erhöhte Fettverbrennung anregt.

Wer es hier nicht übertreibt, kann mit einer starken Verbesserung der Fitness und mit einem positiven Fettabbau rechnen.

Sport ist mein Leben, ich kann mein aktives Leben nicht von heute auf morgen verändern

Wo sind wir gelandet wenn man sich für ein “aktives Leben” entschuldigen muss mit dem Hinweis zwischen den Zeilen, dass dies ein unzumutbarer Zustand sei?

Ernsthaft, Watson?

FAZIT

Erst kürzlich habe ich mir Notizen über Hypergymnasia und Compulsive Exercise gemacht um auf die Gefahren von Übertraining in Kombination mit einer Essstörung aufmerksam zu machen.

Hypergymnasia wird mit einem gestörten Essverhalten in Verbindung gebracht, wobei Compulsive Exercise eine krankhafte Art der Wahrnehmung gegenüber dem Training bedeutet.

Im Artikel erkenne ich weder das eine noch das andere.

Für mich ist der Artikel eine Anti-Fitness-Hysterie mit einer Protagonistin, die dem typischen Fitnessprofil eines Instagram-Hype-Teenagers entspricht.

Wer im Krankenbett ein Selfie macht und nach dem Besuch im Spital die sozialen Medien im gleichen Fitness-Porno-Muster mit viel nackter Haut weiterführt, ist für mich einfach fragwürdig.

Die Tragweite einer solch drastischen Situation zu erkennen und als Vorbild für einen solchen Präzedenzfall zu dienen, wäre in diesem Fall die glaubwürdigste Vorgehensweise gewesen.

RITTER DER TAFELRUNDE

Mittlerweile bin ich meiner Floskel “.. diese Artikel besitzt ähnliche Züge wie das SRF, das Migros Magazin..” schon fast überdrüssig.

Wer meine Blogs konstant verfolgt könnte fast meinen, dass ich mich auf einem Kreuzzug im Namen der Fitnessindustrie befinde.

Ich kann es einfach nicht mehr sehen wie das Bild von Fitness, Bewegung und gesunder Ernährung seitens Medien und Berichterstattung kontinuierlich torpediert wird.

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